„Der Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt, ist die Barmherzigkeit“, formuliert Papst Franziskus programmatisch im Hinblick auf das Jahr der Barmherzigkeit. Überzeugt von der Wichtigkeit dieses Anliegens kooperieren die Phil.-Theol. Hochschule und das Bildungshaus St. Hippolyt, um den Ertrag des Jahres sichern.
Univ.-Prof. Dr. Karl Prenner, Religionswissenschafter aus Graz, hob hervor, dass der Koran im Islam dieselbe Rolle übernehme wie Jesus Christus für die christlichen Religionen. Der Koran könne also nicht mit einem biblischen Buch verglichen werden, sondern habe dieselbe Bedeutung wie die zentrale Heilsgestalt des Christentums. Im Rahmen ihrer jeweiligen Vorträge hoben sowohl Univ.-Prof. Dr. Wustmans als auch Dr. Andreas Batlogg hervor, dass Barmherzigkeit das gesamte Handeln der Kirche prägen soll. „Ihr gesamtes pastorales Handeln sollte umgeben sein von der Zärtlichkeit, mit der sie sich an die Gläubigen wendet; ihre Verkündigung und ihr Zeugnis gegenüber der Welt können nicht ohne Barmherzigkeit geschehen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche führt über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe“ (MV 10).
Auf dem Hintergrund dieses Zitats erkennt Dr. Andeas Batlogg ein Programm für ein päpstliches Reformprogramm, das auch die kirchlichen Strukturen verändert, weil es zunächst eine „pastorale Umkehr“ ans Herz legt. Dieser Weg führt die Kirche in zweifacher Weise näher zu den Menschen. Zum einen soll vor Ort entschieden werde, was vor Ort (und nicht in Rom) entschieden werden kann. Die Ortskirche wird also aufgewertet. Zum anderen wird deutlich, dass menschliche Lebens- und Berufungsgeschichten immer brüchig sind. Aus diesem Grund muss die Barmherzigkeit vor dem Recht wieder mehr Bedeutung gewinnen. Real erfahren werden die sieben Werke der Barmherzigkeit aus Mt 25 dann, wenn Menschen einem anderen Menschen sagen: „Du gehörst dazu – Ich höre dir zu – Ich rede gut über dich – Ich gehe ein Stück mit dir – Ich teile mit dir – Ich besuche dich – Ich bete für dich.“ Für das Kirchenverständnis bedeutet ein solches Konzept, dass sich Kirche nicht auf Spiritualität reduzieren lässt, sondern ihre zentrale Botschaft der Barmherzigkeit auch auf politischer Ebene vertritt, indem sie für die Würde aller Menschen eintritt. „Eine barmherzige Kirche hat entscheidend mit einem Glaubwürdigkeitsfaktor zu tun“, so Andreas Batlogg. Und weiter: „Wer es nach über drei Jahren immer noch nicht kapiert hat oder einfach nicht wahrhaben will: Es geht bei diesem Papst, der sich immer als Bischof von Rom vorstellt, nicht nur um einen Stilwechsel, sondern um einen Paradigmenwechsel.“
Der zweite Teil der Veranstaltung findet am 24.11., um 18:00 Uhr, im Hippolythaus statt. Es referieren Univ.-Prof. Dr. Józef Niewiadomski, Univ.-Prof. Dr. Irmtraud Fischer und Prof. Dr. Martin Lintner.
Herzliche EINLADUNG zum
Abendforum II: Do. 24.11.2016, 18:00-21:15
Univ-Prof. Drin Irmtraud Fischer:
Barmherzigkeit: Zwischen Nachahmung Gottes und Liebespatriarchalismus
Univ. Prof. Dr. Jozef Niewiadomski
Barmherzigkeit - eine dogmatische Kategorie. Braucht man so etwas?
Prof. Dr. Martin Lintner:
Die Kirche — Sakrament der Barmherzigkeit? Eine Nachlese zum Jubiläum der Barmherzigkeit
Infos und Anmeldung:
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[T: Josef Pichler]
