Der Hippolyt-Saal im Bildungshaus St. Hippolyt wurde am 27. Juni 2025 zur Bühne für einen besonderen Abend voller Musik, Poesie und gelebter Solidarität: Taras Chubai, eine der prägenden Stimmen der ukrainischen Kulturszene, präsentierte unter dem Titel „Gesungene Poesie“ eindrucksvolle Vertonungen ukrainischer Lyrik – insbesondere Gedichte seines Vaters Hryzko Tschubaj, einer Schlüsselfigur der ukrainischen Literatur und Untergrundbewegung der 1970er Jahre.
Einfühlsam moderiert wurde der Abend von Olha Chubai, der Ehefrau des Künstlers – und seit Kurzem auch engagierte neue Mitarbeiterin im Team des Hippolythauses. Sie las die deutschen Übersetzungen der Gedichte und führte das Publikum mit großer Empathie durch ein musikalisch-literarisches Programm, das Brücken schlug – zwischen Sprachen, Generationen und Kulturen.
Im Mittelpunkt standen Gedichte aus den Zyklen Maria, Licht und Beichte, ergänzt durch Werke zeitgenössischer Autorinnen und Autoren wie Jurij Andruchowytsch, Oleh Lyscheha und Halyna Petrosaniak. Neben diesen lyrischen Höhepunkten erklangen auch ukrainische Volkslieder und bekannte Klassiker. Ein besonders emotionaler – vielleicht ein echter Gänsehautmoment – war der abschließende Höhepunkt: die Hymne der Ukraine, die vom Publikum stehend und mit der Hand auf dem Herzen gemeinsam gesungen wurde.
Taras Chubai, 1970 in Lwiw (Lemberg) geboren, wurde bereits in jungen Jahren zum musikalischen Botschafter ukrainischer Dichtung. Mit seiner Band Platsch Jeremiji („Klage Jeremias“) prägte er ab den 1990er Jahren eine ganze Generation. Sein bekanntester Song „Wona“ (Sie) gilt heute als einer der bedeutendsten ukrainischen Hits der letzten Jahrzehnte – hier zum Nachhören: ▶ YouTube-Link
Die Stimmung im Saal war tief bewegend: Etwa zwei Drittel des Publikums waren ukrainische Geflüchtete, die in Österreich Zuflucht gefunden haben – viele von ihnen erlebten diesen Abend als ein Stück Heimat in der Fremde. Für das österreichische Publikum öffnete sich eine neue, faszinierende kulturelle Welt – dank der sensibel gestalteten deutschen Übersetzungen auch sprachlich zugänglich und mit allen poetischen Nuancen erfahrbar.
Ein Abend, der berührte – und half.
Denn die Veranstaltung war zugleich ein Spendenkonzert: Die Einnahmen kommen der humanitären Ukraine-Hilfe zugute – über den Fonds „Literatur hilft“, eine Initiative des Literaturhaus NÖ, das seit drei Jahren regelmäßig Hilfstransporte in die Ukraine organisiert.
Zum Abschluss des Konzerts begrüßte Rudolf Hörschläger, der Leiter des Bildungshauses, die Gäste mit herzlichen Worten. Viele von ihnen waren zum ersten Mal im Hippolythaus – und äußerten spontan, dass sie wiederkommen möchten. Die Begeisterung über diesen besonderen Abend war groß, und zahlreiche Gäste äußerten den Wunsch nach weiteren Veranstaltungen in diesem Format.
Der Abend klang in freundlicher und gelöster Atmosphäre bei einem Glas Wein im Café des Hippolythauses aus – mit vielen Gesprächen, offenen Herzen und einer tiefen Verbundenheit.
Bleiben Sie dran – wir machen weiter.
