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LÖSCHT DEN GEIST NICHT AUS!

Gustav Danzinger - Werkeinführung

Bischof Schwarz

Chor und Orchester von Musica Sacra

Dom St. Pölten

Franz Thürauer mit Otto Kargl

Die Uraufführung zum 60er am 12.9. war ein voller Erfolg

"Wir ermahnen Euch, Brüder und Schwestern: Weist die zurecht, die ein unordentliches Leben führen, ermutigt die Ängstlichen, nehmt Euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen! Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht Euch immer, einander und allen Gutes zu tun! Freut Euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles, denn das ist der Wille Gottes für Euch in Christus Jesus. Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt!"

Dieser Ausschnitt aus dem ältesten Text des Neuen Testaments, des 1. Briefes an die Thessalonischer*innen, passt wunderbar zum Jubiläum einer Institution kirchlicher Erwachsenbildung, lässt sich diese doch ganz klar als Verwirklichung des diakonischen Auftrags der Kirche verstehen.
Dankbarkeit, Aufmerksamkeit, Unterscheidung, Geduld, Freude ... stehen jeder Bildungsarbeit gut an.

Ein Satz aus diesem Text ist titelgebend für das musikalische Auftragswerk zum 60-Jahr-Jubiläums des Bildungshauses St. Hippolyt: "Löscht den Geist nicht aus".

Es ist gute alte Tradition zu besonderen Anlässen neue Musik entstehen zu lassen, die im Heute steht und die auf die gefeierte Institution oder Person inhaltlich maßgeschneidert ist.
Das Bildungshaus St. Hippolyt hegte diesen Wunsch zu seinem 60-Jahr-Jubiläum und Domkapellmeister Otto Kargl sagte langfristig die Uraufführung einer Auftragskomposition beim Festival Musica sacra 2021 unter seiner Leitung zu.
So konnte der Komponist Franz Thürauer mit einer Komposition beauftragt werden. Zusammen mit dem Komponisten haben Franz Moser, Otto Kargl und Gottfried Auer den Text des Chorwerkes aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt und in der Art einer Litanei gestaltet.

Ausgehend von der Anrufung des Hl. Hippolyt, dem Namensgeber und Patron von Bildungshaus, Stadt und Diözese, über die klassische liturgische Anrufung von Jesus Christus als Kyrios gelangen wir zu drei inhaltlichen Aussagen, die sich aktuell drängenden Thematiken widmen:
* dem Umgang mit Fremden, Flüchtenden, Geflüchteten in unserer Gesellschaft und unserem konkreten persönlichen Umfeld – Unser Gott bezieht im Buch Levitikus klar Stellung.
* dem Umgang mit menschlichem Leben an dessen Rändern, Lebensanfang, Lebensende – in Zeiten des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms hat der damalige St. Pöltner Bischof Michael Memelauer eine klare Option getroffen.
* dem Stellenwert der Bildung – auch der nicht vordergründig verwertbaren. Das titelgebende Zitat aus dem ersten Brief des Paulus an die Thessalonicher mahnt schon um 60 n.Chr. zum geistvollen, unterscheidenden Denken.

Franz Thürauer hat diese Texte und Inhalte als Mottete für Doppelchor a cappella in Musik gegossen. Der Komponist hat es auf eindrückliche Weise geschafft, die an sich sehr unterschiedlichen Inhalte in eine fruchtbare Spannung zueinander zu bringen. Was zunächst irritiert, wird durch die aufeinander bezogenen Tonfolgen schlüssig immer wieder neu verbunden. Das macht neugierig und ruft auf zu geistiger Wachheit - eine Grundvoraussetzung für die Initiierung eines Bildungsprozesses. So werden die Anliegen des Textes wirkungsvoll in unsere Gesellschaft hinein gesungen.

Als erster Akt der Feierlichkeiten zu unserem 60-Jahr-Jubiläum wurde dieses Werk nun am 12. September im Dom von St. Pölten von Otto Kargl uraufgeführt. Eingebettet zwischen der Vesper und dem Requiem von W. A. Mozart war es musikalischer Kontrast und Ruf in die Gegenwart zugleich. Dr. Gustav Danzinger und Bischof Alois Schwarz brachten dem Publikum vor dem Konzert auf berührende Weise die Anliegen aller Stücke näher, die von Ö1 aufgezeichnet wurden und im nächsten Jahr über Radio zu hören sein werden.

Der Text:
Sancte Hippolyte, ora pro nobis.
Christe eleison. – Kyrie eleison.
Ich bin der Herr, euer Gott. (Lev 19,34) – Er ist der Herr, unser Gott.
Und wenn ein Fremder bei dir in eurem Land als Fremder lebt,
sollt ihr ihn nicht unterdrücken. (Lev 19,33)
Ich bin der Herr, euer Gott. – Er ist der Herr, unser Gott.
Es gibt vor unserm Gott kein unwertes Leben. (Bischof Michael Memelauer, 1941)
Löscht den Geist nicht aus. (1 Thess 5, 19)
Es gibt vor unserm Gott kein unwertes Leben.
Sancte Hippolyte, ora pro nobis.
Ich bin der Herr, euer Gott. – Er ist der Herr, unser Gott.
Christe eleison.

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